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 Betreff des Beitrags: Gerechter Schlaf
BeitragVerfasst: 13. Nov 2012, 18:54 
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Im Stehen dösen reicht nicht: Um wirklich tief und erholsam zu schlafen, müssen sich Pferde hinlegen. Gute Schlafbedingungen sind also für Gesundheit und Wohlbefinden unerlässlich.


Fohlen benötigen viel Schlaf, aber auch für ausgewachsene Pferde ist ein regelmässiger Schlafrhythmus wichtig.


Wie Pferde schlafen
Dass Pferde im Stehen schlafen können, ist ein Märchen. Zwar schöpfen Pferde im Gegensatz zum Menschen viel regenerative Kraft aus dem Dösen im Stehen. Um fit zu bleiben, müssen sich Pferde aber täglich eine gewisse Zeit hinlegen zum Schlafen. Je nach Schlaftiefe unterscheidet man drei Schlafzustände, mit denen das Pferd zusammen fünf bis sieben Stunden täglich verbringt:
· Dösen im Stehen
· Tiefschlaf: slow-wave-Phase in der Brustlage
· Tiefschlaf: REM-Schlafphase im seitlichen Liegen

Ruhen im Stehen: das Dösen
Dösen geschieht im Stehen als Übergangsstadium zwischen Wachen und Schlafen. Es verhilft dem Körper zu weitgehender Entspannung:
· Die Herz- und Atemfrequenzen werden reduziert.
· Die Muskulatur ist entspannt.
· Die Augenlider sind halb oder ganz geschlossen.

Dass Pferde beim Dösen mit verhältnismäßig wenig Kraftaufwand stehen können, ist in der speziellen Konstruktion von Knochen, Sehen und Bändern der Beine begründet. An den Vorderbeinen hilft dabei der relativ senkrechte, säulenartige Aufbau der Gliedmaße.
An den Hinterbeinen sorgt das so genannte Spannsägenprinzip für Entlastung: Die Kniescheibe der Pferde ist oben in die Endsehnen der Oberschenkelmuskeln eingebettet. Nach unten entsendet die Kniescheibe drei starke Bänder an das obere Ende des Unterschenkelknochens. Die Kniescheibenbänder sind so angeordnet, dass sie mit der Kniescheibe selbst ein Schlaufe bilden. Diese Schlaufe kann das Pferd durch eine kurze Muskelkontraktion willentlich über einen Knochenvorsprung am unteren Ende des Oberschenkel-Knochens heben. Hinter dieser Knochennase hakt sich die Kniescheibe dann fest. Während diese Arretierung auf der vorderen, dem Kopf zugewandten Seite des Beines abläuft, sorgt auf der Rückseite des Beines der starke Fersen-Sehnen-Strang für weitgehende Stabilität. Zwischen diesen beiden Konstruktionen sind Ober- und Unterschenkel nun wie bei einer Spannsäge passiv eingespannt und bleiben jetzt mit nur geringer Muskelanspannung senkrecht. Das meiste Gewicht des Pferdes ruht dann auf diesem Bein, während das andere entlastet ist und meist nur auf der Hufspitze steht; diese bekannte und typische Haltung nennt man Schildern. Nach ungefähr vier bis fünf Minuten wird auf das andere Bein gewechselt. Auf das Dösen, einem sehr oberflächlichen Schlaf, aus dem das Pferd leicht zu wecken ist, entfallen ungefähr zwei bis drei Stunden täglich. Dösen kann den regulären Tiefschlaf jedoch nicht ersetzen.

Tiefschlaf im Liegen

Auf Dauer kommt kein Pferd ohne den Tiefschlaf aus, der jedoch nur im Liegen möglich ist. Dabei kommt das Pferd zunächst in die sogenannte «slow wave»-Phase. Dieses Übergangsstadium zwischen Dösen und Tiefschlaf wird nach dem typischen Verlauf der damit verbundenen, wellenartigen Schwankungen in der elektrischen Aktivität des Gehirns bezeichnet. In dieser Phase entspannt sich das Pferd bereits sehr stark. Seine Atmung und der Herzschlag werden - im Vergleich zum Dösen - noch weiter verlangsamt. Die Körpertemperatur sinkt und es laufen umfangreiche Regenerationsprozesse im Gewebe und in den inneren Organen an. Auf den «slow wave»-Schlaf entfallen im Durchschnitt zwei Stunden täglich. Das ruhige Liegen in der Brustlage mit vollständig oder nahezu geschlossenen Augen ist kennzeichnend für diese Phase.

Träumen im REM-Schlaf

Die REM-Schlaf-Phase ist der tiefste Schlaf. Sie wurde beim Menschen schon vor langer Zeit erforscht und nach den charakteristischen schnellen Bewegungen der Augen unter den vollständig geschlossenen Lidern – dem sogenannten «Rapid Eye Movement» benannt. In dieser Phase ist das Gehirn sehr aktiv, wie EEG-Messungen zeigen. Offenbar werden hier aktive nervliche Regenerationsprozesse durchgeführt, die für die Funktion des gesamten Organismus unentbehrlich sind. Regelmässige REM-Schlafphasen sind für das Wohlbefinden des Pferdes also unerlässlich.
Begleitende reflexartige Bewegungen der Beine, der Ohren, der Nüstern und des Halses sowie stöhnende, grunzende Laute lassen die Vermutung aufkommen, dass Pferde wie Menschen in der REM-Phase träumen. Der REM-Schlaf ist sehr tief; die Tiere sind in dieser Zeit nur schwer zu wecken und daher als Fluchttiere möglichen Beutegreifern besonders schutzlos ausgeliefert. Daher hat die Natur für Pferde vor allem zwei Schutzmechanismen aufgebaut:
· Die insgesamt 45 bis 50 Minuten REM-Schlaf, die ein Pferd täglich im Optimalfall durchläuft, werden auf kurze Abschnitte von jeweils nur ungefähr vier bis sechs Minuten verteilt, nach denen das Tier dann wieder etwas oberflächlicher schläft. Das reduziert das Risiko, von Beutegreifern überrascht zu werden, erheblich.
· Freilebende Pferde wechseln sich innerhalb ihrer Gruppe mit dem Liegen ab. Einige Tiere bleiben immer als Wächter stehen, um Fressfeinde rechtzeitig erkennen zu können. Bei einer Einzelhaltung im Stall liegen Pferde zwar quantitativ mehr als in der freien Natur, aber Untersuchungen zeigen, dass sie dabei insgesamt weniger Tiefschlaf bekommen als die im Freien und in der Gruppe lebenden Artgenossen, also qualitativ schlechter schlafen.

Schlafmangel als Risiko

In einer ungewohnten und unruhigen Umgebung verzichten Pferde oftmals lange Zeit auf das Tiefschlafen im Liegen. Auch sehr alte Pferde mit hochgradigen orthopädischen Problemen oder bereits weit fortgeschrittener körperlicher Schwäche legen sich kaum noch hin – aus der tief verwurzelten Angst, danach nicht schnell genug wieder aufstehen zu können. Von Pferden in extremen Situationen wird über Zeiträume von mehreren Wochen berichtet, die diese Tiere nur mit Dösen im Stehen überbrückt haben.
Fest steht aber, dass Schlafentzug schwere körperliche, geistige und seelische Schäden nach sich zieht – wie auch beim Menschen. Gesundheitsstörungen, mangelnde Fitness und Verhaltensstörungen wie Nervosität, Schreckhaftigkeit, Konzentrationsmängel und erhöhte Aggression treten schon nach wenigen Tagen mit Tiefschlafmangel auf.

Optimale Voraussetzungen

Pferde benötigen trockene und warme Liegeflächen. Schmutzige Einstreu, strohlose Haltung auf Gummimatten oder in kaltem Sand oder zu spärliches Einstreumaterial bewirken eine oftmals unbemerkte Reduzierung der Liege- und damit der Tiefschlafphasen, ebenso wie zu kleine Boxen oder die mittlerweile weitgehend verbotene Ständerhaltung.
Weil Schlafmangel so gefährlich ist, muss der Pferdehalter immer ein wachsames Auge auf die Schlafmöglichkeiten seines Pferdes haben. Insbesondere ist zu berücksichtigen:

· die nächtliche Stallruhe einhalten
· keine Unterbringung von unverträglichen Pferden in benachbarten Boxen
· alle Aspekte des Liegekomforts (Art, Qualität und Menge der Einstreu; ausreichend große Fläche etc.) gewährleisten
· lange Transporte nach Möglichkeit unterbrechen
· vor mehrtägigen Turnieren, Kursen usw. rechtzeitig am Veranstaltungsort eintreffen
· bei Gruppenhaltung jedem Pferd eine individuelle Ruhezone ermöglichen durch streng getrennte Liege- und Fressbereiche, ausreichend grosse Flächen, Trennung unverträglicher Tiere voneinander und gegebenenfalls nächtliche Einzelhaltung rangniedriger Pferde

Gerade bei der ansonsten sehr zu begrüßenden Gruppenhaltung von Pferden ist die Sicherstellung von genügend Tiefschlafmöglichkeiten oftmals problematisch. Wissenschaftliche Untersuchungen haben gezeigt, dass rangniedere Pferde in Gruppenhaltung in vielen Fällen deutlich zu wenig Schlaf erhielten. Auch bei der winterlichen Gemeinschaftsaufstallung von Jungpferden ist darauf Rücksicht zu nehmen.


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